Schwingung wird Wärme
Zahlreiche Verfahrensschritte in den Bereichen
Holztrocknung und -verleimung sowie der Lacktrocknung
sind reine Erwärmungsvorgänge. Bei konventionellen
Prozessen wie beispielsweise in einer beheizten
Furnierpresse gelten die Prinzipien des Wärmeübergangs
und der Wärmeleitung. Das Material wird von außen nach
innen erwärmt. Nachteil: Bevor z.B. eine Klebefuge mit
der nötigen Wärme versorgt wird, müssen mehr oder
weniger große Holzvolumina zwangsweise ebenfalls
durchwärmt werden. Genau umgekehrt verhält es sich bei
der Anwendung von Hochfrequenz (HF). Diese bereits seit
Jahrzehnten eingesetzte Technologie kann erheblich zur
Verkürzung von Prozesszeiten in verschiedenen
Produktionsbereichen beitragen.

Weil Holz über eine schlechte Wärmeleitfähigkeit
verfügt, erfordern Erwärmungsprozesse entsprechend viel
Zeit. Je größer die zu verklebenden Holzdicken sind, um
so länger dauert es, bis die nötige Wärme da
angekommen ist, wo sie gebraucht wird: z.B. in der
Klebefuge. Lange Presszeiten sind die Folge. Außerdem
eine vollständige Durchwärmung des Trägermaterials,
die aus Gründen einer schnellen Weiterbearbeitung
durchaus unerwünscht sein kann.
Bei der Anwendung von Hochfrequenz (HF) ist die
Ausgangslage eine andere. Die Hochfrequenzenergie wird im
Holz unmittelbar in Wärme umgesetzt, sozusagen von innen
nach außen.
So funktioniert die Hochfrequenztechnik
Beim Einsatz der Hochfrequenztechnik, z.B. beim Verleimen
werden Holz bzw. Trägermaterial und Klebstoff einer
sogenannten kapazitiven oder dielektrischen Erwärmung im
hochfrequenten Wechselspannungsfeld ausgesetzt.
Vereinfacht ausgedrückt kann man sagen, daß die
kleinsten Teilchen des im Holz vorhandenen Wassers, die
Moleküle, sich im elektrischen Feld ähnlich wie kleine
Magnete in einem magnetischen Feld verhalten. Die
Moleküle geraten in hochfrequente Schwingungen und es
entsteht infolge innerer Reibung durch gegenseitige
Behinderung Wärme.

Die Abbildung zeigt ungerichtete Wassermoleküle im Holz.
Unter dem Einfluß der Elektrizität und der wechselnden
Stromrichtung richten sich die Moleküle senkrecht zu den
Elektroden aus. Mit jedem Richtungswechsel der angelegten
Wechselspannung drehen sie sich jeweils um 180°. Dabei
entsteht die gewünschte Wärme. Die Häufigkeit dieses
Vorgangs richtet sich nach der Frequenz, die im
MHz-Bereich liegt. Das bedeutet, die Moleküle drehen und
bewegen sich einige Millionen Mal(!) pro Sekunde. Sofort
nach Anlegen der hochfrequenten Wechselspannung wird die
Klebefuge erwärmt. Und das, wegen ihrer deutlich
größeren dielektrischen Verluste, wesentlich stärker
und schneller als das sie umgebende Holz. Diesen Umstand
nennt man auch selektive Erwärmung".
Wassermoleküle, die sogenannten Dipole, werden um so
mehr aus ihrer Ruhelage ausgelenkt, je näher die
Spannung an den Elektroden ist. Es ist nachvollziehbar
und einleuchtend, das bei zunehmendem zurückgelegten Weg
eine größere Reibungsarbeit geleistet wird - hier
wächst die Wärmeentwicklung im Quadrat zur angelegten
Spannung. Verdoppelt man also die angelegte Spannung,
dann vervierfacht sich die Wärmeentwicklung.
Die physikalischen Zusammenhänge
Es ist nicht gleichgültig, ob eine bestimmte Spannung an
einen Kondensator gelegt wird, dessen Platten 3 cm oder
10 cm voneinander entfernt sind. Deshalb muß man zur
eindeutigen Beurteilung eines bestimmten Falles immer die
Spannung U(V) auf den jeweiligen Abstand d(cm) beziehen.
Im homogenen Feld geschieht dies dadurch, daß man die an
den Elektroden liegende Spannung U durch den
Elektrodenabstand d dividiert. Die so erhaltenen Volt pro
cm (V/cm) werden als Feldstärke E bezeichnet.
Die Feldstärke darf allerdings nicht beliebig erhöht
werden, weil es sonst zu Überschlägen und Verbrennungen
im Holz kommen kann.
Weitere wichtige Größen, die uns helfen zu beurteilen,
wie schnell und gut das Holz erwärmt werden kann, sind
die sogenannte materialabhängige dielektrische Konstante
Epsilon und der Verlustfaktor Tangens Delta.
Die Dielektriztiätskonstante Epsilon besagt, wie oft die
Kapazität eines Kondensators mit Dielektrikum größer
ist als ein Luftkondensator gleicher Abmessung. Der
Verlustfaktor ist mit dem Leistungsfaktor Kosinus Phi der
Starkstromtechnik vergleichbar. Er sagt aus, welcher
Anteil der Leistung in Wärme umgesetzt werden kann, ist
also ein Gradmesser für die tatsächliche
Wärmeausbeute" der aufgewendeten elektrischen
Energie.
Materialeigenschaften
Holz ist ein sehr heterogenes Material. Die elektrischen
Eigenschaften hängen nicht nur von seiner Art ab,
sondern auch von Faserrichtung, Temperatur, Feuchtigkeit
und der angelegten Frequenz.
Für solche Feuchtigkeitsgrade, welche im allgemeinen
für Fertigprodukte der Holzindustrie (Möbel,
Konstruktionsteile) zugelassen werden, d.h. für etwa
8-12% Wassergehalt, kann Holz noch als
"Dielektrikum" angesehen werden. Die für die
Hochfrequenz-Erwärmung von Isolierstoffen gültigen
Formeln sind deshalb auch bei Holz anwendbar.

Allgemein läßt sich sagen, daß für eine bestimmte
Frequenz die Dielektrizitätskonstante Epsilon mit
zunehmendem Feuchtigkeitsgrad leicht ansteigt, während
der Verlustfaktor Tangens Delta dem Wassergehalt
ungefähr proportional ist.
Bei der Verleimung mit Hochfrequenz wird besonders die
Tatsache ausgenützt, daß Leime einen bis 40mal
größeren Verlustfaktor haben als Holz. Dadurch kann die
Leimfuge selektiv mit einem Minimum an Energie erwärmt
werden. Die Verleimzeiten von einigen Stunden (bei
Kaltverleimung) reduzieren sich auf wenige Minuten.
Leime und Klebstoffe für die Hochfrequenz
Für die Hochfrequenzverleimung eignen sich besonders
Polykondensationsklebstoffe und Polyvinylacetatleime.
Wird von der Verleimung nur die Widerstandsfähigkeit
gegen kaltes Wasser verlangt, so wird man vorzugsweise
mit Kunstharzen auf Harnstoff- oder Melaminbasis
arbeiten, die schon bei 70-90°C abbinden. Soll die
Leimfuge jedoch auch gegen kochendes Wasser
widerstandsfähig sein, wird man auf Phenol- oder
Resorcinharze zurückgreifen, die allerdings höhere
Abbindetemperaturen benötigen.
Diese Leime sind im Handel entweder in Pulverform
erhältlich und werden mit Wasser zu einem gut
streichfähigen Brei angerührt. Alternativ werden sie
bereits in flüssiger Form mit bestimmter
Harzkonzentration geliefert. Verschiedene Kunstharze
müssen jedoch vor der Verarbeitung mit einem Härter
vermischt werden, damit die zum Abbinden nötige
chemische Reaktion eingeleitet werde. Dieser Härter ist
eine chemische Substanz, teils flüssig, teils in
kristalliner Form, die die Aushärtung des Kunstharzes,
auch Polymerisation genannt, bewirkt. Solch eine
Polymerisation ist ein irreversibler chemischer Prozeß -
das Harz kann nach der Umwandlung nicht mehr gelöst oder
erweicht werden. Stoffe mit solchem Verhalten werden
allgemein auch als Duroplaste bezeichnet. Da das
Kunstharz sehr hart wird, beansprucht es auch stark die
Bearbeitungswerkzeuge (Hobel, Fräse, Schleifbänder
usw.) stark.
Diese Probleme entfallen bei der Anwendung von Leimen auf
der Basis von Polyvinylacetat (PVA). Im Gegensatz zu den
vorgenannten Duroplasten ist dies ein thermoplastischer
Leim, d.h. das Harz erfährt während der Erwärmung
keine chemische Umwandlung, sondern es wird nur das
überschüssige Wasser ausgetrieben. Daher wird der Leim
auch nicht so hart wie die Duroplaste und kann auch nach
dem Erkalten durch nachträgliches Erwärmen wieder
erweicht werden. Je nach Weichmachergehalt liegt der
Erweichungspunkt bei etwa 40-70 °C. Dies ist auch der
Grund dafür, warum thermoplastische Leime ihre
Endfestigkeit erst nach dem Erkalten der Leimfuge
erreichen. Doch reicht die Festigkeit nach dem Verdampfen
des Wassers aus, daß das Werkstück noch in warmem
Zustand ausgespannt werden kann. PVA-Leime werden gerne
dort verwendet, wo keine außergewöhnlichen Ansprüche
auf die Festigkeit der Verbindung gestellt werden und
Wert auf die Schonung der Bearbeitungswerkzeuge gelegt
wird.
Neuerdings werden auch Leime auf Polyurethanbasis
(PU-Leime) vermarktet. Bei diesen Leimen erfolgt die
Aushärtung durch Polymerisation. Ob thermoplastische
oder härtbare Kunstharzleime ausgewählt werden, hängt
einzig vom Verwendungszweck des Erzeugnisses ab.
Vorteile auf einen Blick
Zusammengefaßt noch einmal die wichtigsten Vorteile der
Hochfrequenzerwärmung:
- Erhöhte Produktionsgeschwindigkeit: Die Wärme wird
nicht von außen zugeführt, sie entsteht in der Leimfuge
bzw. im Holz ohne Wärmeleitverluste.
- Genauigkeit der Dosierung: Mit Hilfe von
Mikroprozessoren kann die zugeführte Wärme, unabhängig
von Schwankungen der Stromversorgung,
Materialunterschiede etc., gesteuert werden. Die Wärme
kann in voreingestellten Grenzen reguliert werden.
- Gleichmäßige Qualität: Da die erwähnten
Eigenschaften der HF-Wärme eine örtliche Begrenzung der
Erwärmung, genaue Dosierung, große
Arbeitsgeschwindigkeit und keine Verformung des
Werkstückes mit sich bringe, zeichnen sich die
Erzeugnisse durch große Gleichmäßigkeit und Qualität
aus.
Anwendungsgebiete der Hochfrequenz
Die Hochfrequenztechnik ist keine neue Technologie. Sie
wird bereits seit einigen Jahrzehnten in der Holzbe- und
-verarbeitung eingesetzt. Hier waren bislang vor allem
die Holztrocknung und die Verleimung von Bedeutung. Doch
auch andere Bereiche, z.B. die Trocknung von
Wasserlacken, scheinen geradezu prädestiniert für den
Einsatz der Hochfrequenz. Es ist zu erwarten, daß vor
allem im Hinblick auf die Rationalisierung und
Verkürzung von Arbeitsabläufen diese Technologie an
Bedeutung gewinnen wird.
Bei der Holztrocknung wird die Hochfrequenztechnologie
vorzugsweise dann eingesetzt, wenn es sich beim zu
trocknenden Gut um dickere, vorgeformte und nicht zu
nasse Teile handelt. Im Gegensatz zu Konvektionstrocknung
erfolgt die Trocknung von innen nach aussen. Zu schnelle
Trocknung birgt deshalb Explosionsgefahr in sich.
Im Bereich der Verleimung kommt die Hochfrequenz
ebenfalls zum Einsatz, sowohl im Durchlaufverfahren als
auch stationär. Hier sind die Breiten-, Längs- und
Flächenverleimung ( z.B. Parkett-, Massivholzplatten-
oder Leimbinderherstellung) zu nennen. Bei der
Lamellierung von Fensterkanten spielt die HF zwar bislang
eine eher untergeordnete Rolle, doch ist auch hier
durchaus Potential für diese Verfahren zu sehen.
Bei der Herstellung von Span- und MDF-Platten kann die
Vorwärmung mittels Hochfrequenz eine
Prozesszeitverkürzung mit sich bringen.
Ein noch sehr junges, vermutlich aber zukunftsträchtiges
Einsatzgebiet ist die Trocknung von Wasserlacken. Erst im
vergangenen Jahr hat ein hessischer Treppenhersteller die
weltweit erste Anlage dieser Art in Betrieb genommen. Die
Trocken- und damit Durchlaufzeit konnte bei diesem
Anwender extrem verkürzt und der erforderliche
Platzbedarf minimiert werden.

Umweltaspekte
Für die industrielle Anwendung der Hochfrequenz sind zur
Vermeidung von Funktionsstörungen vom Gesetzgeber
besondere Frequenzbänder vorgeschrieben (gemäß
europäischer Norm EN 55011): 13.56, 27.12, 40,68, 2450,
5800 und 24125 MHz, jeweils mit kleinen Toleranzen. Diese
Frequenzen sind für industrielle, wirtschaftliche und
medizinische Zwecke in Europa freigegeben.
Für die Holzverleimung wird meist die Frequenz 13.56 MHz
verwendet, weil sie das Holz durchdringend erwärmt und
eine gleichmäßige Spannungsverteilung im Pressgut
erreicht wird. Besonders wichtig ist hier die hohe
Frequenzstabilität. Ohne spezielle Maßnahmen ist diese
Stabilität nicht erreichbar. Ein weiterer Aspekt ist der
Einfluß auf Menschen und andere Lebewesen.
Hochfrequenzstrahlung wird vom Körpergewebe absorbiert,
was mit einem Anstieg der Gewebetemperatur verbunden ist.
Besonders bei der Mikrowelle (z. B. 2450 MHz) kann dieser
Effekt ausgeprägt sein. Deswegen müssen solche Anlagen,
ein Mikrowellenofen zählt übrigens auch dazu,
vollkommen abgeschirmt sein.
Auch bei tieferen Frequenzen (z. B. 13.56 MHz) müssen
alle Teile sorgfältig abgeschirmt sein, damit das
Bedienpersonal absolut sichere Arbeitsbedingungen
vorfindet.
Sind diese Forderungen erfüllt, ist die Hochfrequenz
eine sehr umweltfreundliche Form von Energie, da bei
ihrer Anwendung keinerlei andere Schadstoffe oder
Umweltverschmutzung auftreten kann.